Procedural Literacy

Präsentationsraum am Tag der Bachelorverteidigung

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung des Alltags stellt sich die Frage, ob die Fähigkeit, mit Maschinen zu kommunizieren bald so wichtig sein wird, wie es heute Lesen und Schreiben sind.

Algorithmen bestimmen längst einen Großteil unserer digitalen und analogen Realität. In meiner Bachelorarbeit beschäftige ich mich mit der Visualisierung der inneren Abläufe dieser unsichtbaren Prozesse.

Die Arbeit steht vor dem Hintergrund, dass Programmierung in Zukunft wohl als neue Kulturstufe der Bildung betrachtet werden kann. Der Begriff »Procedural Literacy« beschreibt das für Programmierung notwendige Verständnis für Prozessabläufe.

Unlängst rief Barack Obama die Amerikanische Nation dazu auf, sich mehr mit Informatik zu beschäftigen. Diese mit wachsendem Interesse aufkommende Forderung scheint der Versuch zu sein, eine Antwort auf die zunehmende Digitalisierung des Lebens zu geben.

Um uns herum beobachten wir eine sich stetig vervollständigende Projektion der natürlichen Welt in ein digitales Abziehbild. In diesem virtuellen Weltbild sind in Zukunft Informationen zu jedem Ding und jedem Menschen abrufbar, und zwar nicht nur stets aktuell zur Laufzeit, sondern auch zu jedem Zeitpunkt in der Vergangenheit.

Algorithmen helfen uns, den Überblick in diesem Informationskosmos zu behalten. Sie arbeiten unermüdlich, Ordnung in das Datenchaos zu bringen und uns die benötigten Informationen zugänglich zu machen.

Symbol für Virtualisierung

Der Schwerpunkt meiner Visualisierungen liegt in der formalen Auseinandersetzung mit programmatischen Strukturen und der Entwicklung visueller Varianten zur Veranschaulichung der gewählten Algorithmen. Die Intention ist, so viel wie möglich vom Ablauf zu zeigen und so wenig wie möglich in Schrift zu erklären, um somit ein generelles Verständnis des Prozesses mit visuellen Mitteln zu erzielen.

Sortier-Algorithmen: Mergesort, Bubblesort, Quicksort und Shellsort

Textsuche-Algorithmen: Brute Force und Boyer-Moore-Horspool

Wegsuche-Algorithmus: Dijkstra

Politikvisualisierung

Redner am Pult

Das Ziel des Kurses war das Sichtbarmachen politischer Positionen und das Veranschaulichen der komplexen Abläufe hinter den Entscheidungen, die unser gesellschaftliches Zusammenleben prägen.

Als Einstieg in das Thema sollte ein aktueller Artikel der »Zeit Online« analysiert und die darin enthaltenen Argumente visuell auf den Punkt gebracht werden. Wir entschieden uns für eine Debatte zum Thema Mindestlohn, bei der uns zwei kontraststarke Artikel für Pro und Contra als Arbeitsmaterial dienten.

Wir extrahierten die Argumente aus den Texten und beurteilten sie auf einer selbstverfassten Skala mit den Gegensatzpaaren sozial / wirtschaftlich, faktisch / hypothetisch und sachlich / polemisch in drei Stärkegraden. Die Werte aller Argumente wurden in Wabenform dargestellt und am Ende überlagert, um eine Gesamtansicht der Argumentationsweise zu erhalten.

Wabe mit Gegensatzpaaren

Als Hauptaufgabe wählten wir uns das Thema Schulreform, welches zu der Zeit aktuell war. Vor allem ging es um die ­Frage, wie der Übergang von der Grund- zur weiterführenden Schule gestaltet werden sollte: Vier oder sechs Jahre? Lehrerempfehlung oder Elternentscheidung? Jedes Bundesland regelt das anders. Den Großteil der verarbeiteten Daten zogen wir aus einer Tabelle des Statistischen Bundesamtes des Schuljahrs 2008/2009. Es entstand eine Reihe von Visualisierungen zu den Schullaufbahnen, Absolventenzahlen, Klassenstärken, sowie Ergebnisse aus den PISA-Studien. Anschließend gestalteten wir prototypisch eine informative Website, bei der nach Themen und Bundesländern gefiltert werden konnte.

Visualisierung Absolventen

Absolventenzahlen nach Schulabschluss aller Bundesländer in einem Gesamt-Verlaufsdiagramm

Visualisierung Klassenstärke

Durchschnittliche Klassenstärken der Bundesländer. (Geringere Schülerzahlen pro Klasse sind besser und daher größer hervorgehoben)

Visualisierung erteilte Schulstunden

Durchschnittlich erteilte Schulstunden pro Woche nach Bundesländern

Visualisierung Schullaufbahn Berlin

Schullaufbahn Berlin, 6 Jahre Grundschule, wenige Wechselmöglichkeiten

Visualisierung Schullaufbahn Baden-Württemberg

Schullaufbahn Baden-Württemberg, 4 Jahre Grundschule, mehrere Wechselmöglichkeiten

Visualisierung PISA

PISA Punktesystem im Ländervergleich nach Kompetenzen (2006)

Satzbilder

Engel küsst Frosch

Dieses Projekt beschäftigt sich mit dem Zusammenwirken von Sprache und Bild.

Für eine Sprachstudie am Linguistischen Department der Universität Potsdam entstand eine Reihe situationsbeschreibender Zeichnungen.

Mein Auftrag war es, einhundert Bilder basierend auf einer Handlungsbeschreibung zu zeichnen. Dabei sollten die Bilder möglichst homogen bleiben und dem gleichen Aufbau folgen. Um diese Menge an Zeichnungen effizient zu leisten, schuf ich eine Grundfigur, die ich je nach Situationsbeschreibung zurechtrücken konnte. Die Pose diente dann als Grundlage für den Bildaufbau.

ZeichenStadium 1

Gliederpuppe einer männlichen Grundfigur

ZeichenStadium 2

Die Pose der Puppe wurde mit einer Vektorzeichnung nachgestellt und mit hellem Grauwert ausgedruckt

ZeichenStadium 3

Die ausgedruckte Vorlage wurde entsprechend der Beschreibung überzeichnet:
»Der Schäfer spielt die Flöte«

ZeichenStadium 4

Die Zeichnung wurde anschließend eingescannt und als Vektorgrafik fertiggestellt

Grundfiguren

Alternative Grundfiguren: Frau, Kind und Greis

Grundfigur Vorderansicht

Männliche Grundfigur in der Vorderansicht

Den Großteil der Sätze bildeten Situationsbeschreibungen mit männlichen Subjekten (Der Bauer, Der Cowboy, Der Dieb…). Es gab jedoch auch Sätze mit weiblichen Protagonistinnen, Kindern oder älteren Menschen, für die ich neue Grundfiguren brauchte. Auch ließ sich ein kleiner Teil der Beschreibungen nicht gut in der Seitenansicht darstellen und so erstellte ich zusätzlich eine männliche Grundfigur in der Vorderansicht.

Nachfolgend sind alle einhundert Bilder mit den dazugehörigen Situationsbeschreibung zu sehen.

Stadtblicke

»Stadtblicke« ist eine Plattform zum Wiederbegegnen. Abgebrochene Flirtmomente lassen sich auf einer Karte festhalten und geben so eine Möglichkeit zur Fortsetzung. Das Konzept wurde auf der Crowdfunding-Plattform startnext.de veröffentlicht.

Ein flüchtiger Moment, der einen nicht mehr loslässt. Die Umstände führten dazu, dass die Begegnung zweier Menschen endete, bevor sich sich kennen lernen konnten. Das Gefühl, eine echte Chance verpasst zu haben, klingt noch lange nach. Doch was sollen sie tun ohne die Kontaktdaten oder auch nur den Namen des anderen?

Unsere Lösung für dieses Problem ist stadtblicke.net. Auf der dortigen Karte sammeln wir alle Orte, an denen Menschen ­einen solchen Flirt-Moment erlebt haben. Über Ort, Zeitpunkt und Beschreibung wird der Kontakt wieder hergestellt.

Die Karte ist das zentrale Kommunikationstool der Plattform. Dort können Nutzer ihre Begegnungsorte festlegen. Dies erzeugt einen Pin, der die Begegnung repräsentiert und für alle Plattformbesucher sichtbar ist. Man trägt Datum und Uhrzeit ein sowie eine Beschreibung der gesuchten Person und der Situation.

Screenshot der Karte mit einem Marker

Bildschirmaufnahme der Plattform

Eintragen der Begegnung auf stadtblicke.net

Erkennen der Beschreibung des gesuchten Flirtpartners

Wiedersehen bei einer Verabredung

Berlin Music Map

Die Anwendung wurde zur »Berlin Music Week 2010« ausgestellt. Sie zeigt Musik-Events basierend auf Daten von hooolp.com, dargestellt auf einer handgezeichneten, interaktiven Karte von Berlin.

Illustratives Ambiente der Stadt

Während meines Praktikums bei interactive scape entstand diese Multitouch-Applikation in Koordination mit »hooolp«, einer OnlineDatenbank für Konzerte und Veranstaltungen.

Bei Berührung eines Markers öffnet sich ein Informationsfenster mit einer genauen Beschreibung der Veranstaltung. Die verzeichneten Events ließen sich außerdem nach Datum und Genre filtern.

Verschiedene Vergrößerungsstufen zeigen unterschiedliche Details

Bei starker Vergrößerung werden die Namen der Veranstaltungsorte sichtbar